Einführende Texte und Materialien zum Kurs "Christliche Ethik"
 

Die folgenden Texte sollen einen schnellen Überblick
über den Stand der ethischen Diskussionen
zum Thema Organspende - Organtransplantation ermöglichen. 

Übersicht:

Was ist eigentlich Ethik ?
Warum ist Organspende ein Thema der (christlichen) Ethik?
Mangel an Spenderorganen
Probleme im Umfeld von Organspende und Organtransplantation
Stellungnahmen außerkirchlicher Gruppen
Das Transplantationsgesetz / Organspendegesetz - Kontroversen
 
 
 
Weiterführende
Materialien

 
Die Hirntoddefinition - Wann ist ein Mensch tot ?
Texte und Materialien zum Hirntod
Ethische Positionen zur Organspende
Ethik und Organspende - weitere Texte
Übersicht über alle Projektmaterialien

 
 
 




 

Was ist eigentlich Ethik ?
Eine Arbeitsdefinition
 
Ethik beschäftigt sich mit den Grundlagen menschlicher Lebensführung und will eine Theorie dazu liefern.

Ethik beschäftigt sich mit der Beschreibung, Begründung, Kritik und Bewertung von Normen und Werten.

Sie versucht Antworten auf die Fragen:

  • Was ist gut, was ist böse?
  • Was sollen, dürfen, müssen wir tun?
  • Was ist sittlich gerechtfertigt, was ist problematisch, was ist verboten?
  • Wie frei sind wir in unserer Entscheidung bzw. was beeinflusst sie?
  • In welcher Weise sind wir für unser Handeln verantwortlich ?
  • Was ist menschliche Würde, wodurch wird sie möglicherweise bedroht?
Christliche Ethik
versucht diese Fragen im Lichte christlichen Glaubens zu erörtern, auch in der Auseinandersetzung mit anderen (außerchristlichen) Ansätzen.
Grundsätzliche ethische Überlegungen (z. B. "Liebe deinen Nächsten"; "liebe deine Feinde") müssen auf konkrete Einzelfragen bezogen werden, wobei diese oft im Spannungsfeld gegensätzlicher Erwägungen stehen.
 
 
Ethik - Wikipedia
 



Warum ist Organspende ein Thema der (christlichen ) Ethik?

Ist Organspende ein Akt christlicher Nächstenliebe und humaner Verantwortung?
Vielen schwerkranken Menschen kann heute durch eine Organtransplantation das Leben gerettet werden oder ihre Krankheit kann weitgehend geheilt oder gelindert und damit die Lebensqualität entscheidend verbessert werden. Organ- und Gewebeübertragungen gehören aufgrund der Entwicklung der Medizin in den letzten 30 Jahren zum Standard der medizinischen Versorgung.

Seit Jahren besteht bei uns jedoch ein großer Mangel an Spenderorganen.
Sollte es eine ethische Pflicht zur Organspende geben? Sollte nur derjenige ein Recht auf ein Spenderorgan haben, der auch selbst zur Organspende bereit ist? Sollte man Angehörige von Verstorbenen auffordern, das Einverständnis zur Organspende zu geben?

Im religiösen Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod und an eine leibliche Auferstehung mögen weithin unbewusst Vorstellungen von einer notwendigen Unversehrtheit des Leibes im Tod mitschwingen. Umgekehrt stellt sich natürlich die Frage, würde ich selbst auf Spenderorgane zurückgreifen bzw. ist es nicht ein Akt christlicher Nächstenliebe und humaner Verantwortung Organe für den Todesfall zur Verfügung zu stellen (und dies auch schon zu Lebzeiten zu dokumentieren)?
 
 
 

Was sagen die Kirchen zum Thema Organtransplantation?
Die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche haben übereinstimmend eine Erklärung herausgegeben, in der sie die Organspende befürworten. Auch Angehörige, die für einen Verstorbenen diese Entscheidung treffen, handelten ethisch verantwortlich und keineswegs pietätlos. "Aus christlicher Sicht ist die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarisierung mit Kranken und Behinderten."
Stellungnahme der deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Ev. Kirche in Deutschland
 
 

Weitere Stellungnahmen

W. Huber (2001, Ratsvorsitzender der EKD))
Der Ausgangspunkt liegt in dem Respekt vor der Würde des Menschen und der damit verbundenen Pflicht zur Lebenserhaltung und Lebensförderung. Deshalb werden Organtransplantationen von den Kirchen grundsätzlich bejaht; soweit der Organentnahme aus freien Stücken zugestimmt wird, kann man in ihr einen Akt der Nächstenliebe über den Tod hinaus sehen. 

Doch mit dem Hinweis auf die in diesem Fall vorausgesetzte freie Zustimmung ist auch schon das Problem benannt. Organtransplantationen sind grundsätzlich ethisch zulässig; sie können und dürfen aber nicht für alle zur Pflicht gemacht werden. Vielmehr bedarf es klarer Richtlinien im Blick auf die Zulässigkeit und die Modalitäten der Transplantation.

Dem dient das Transplantationsgesetz von 1997, dessen Entstehung die Kirchen intensiv begleitet haben. Es verschafft einer breiten gesellschaftlichen Zustimmung zur Organtransplantation rechtlichen Ausdruck. Es gießt die Zustimmung zu dieser Möglichkeit, leidenden oder gar in ihrem Leben bedrohten Menschen zu helfen, in die Form des Gesetzes. Volle Einhelligkeit in den ethischen Voraussetzungen für ein solches Gesetz konnte in der Diskussion freilich nicht erreicht werden. Umstritten blieben bis zuletzt vor allem die Frage der Todesdefinition und die Möglichkeit der Organentnahme auf der Grundlage einer Zustimmung Dritter. 

Unstrittig ist, dass im Hirntod nach dem gegenwärtigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnis ein untrügliches Todeszeichen zu sehen ist. Umstritten dagegen ist, ob dieses untrügliche Todeszeichen mit dem Tod der menschlichen Person schlechthin gleichgesetzt werden kann. Denn wenn eine Organentnahme beabsichtigt ist, werden auch nach Eintreten des Hirntodes die Herzkreislauffunktionen aufrecht erhalten.

In welchem Sinn von einem Menschen gesagt werden kann, er sei tot, wenn Herz und Kreislauf noch aktiv sind, ist für viele Menschen eine offene Frage. Umgekehrt erklären viele Mediziner es für einen unerträglichen Zustand, wenn nicht die menschliche Person als tot erklärt werden kann, bevor eine Explantation vorgenommen wird; deshalb beharren sie auf der Gleichsetzung des Hirntodes mit dem Tod der menschlichen Person. 
(Wolfgang Huber: Was ist vertretbar? Ethische Probleme der Organtransplantation, 2001)
 

Karl Lehmann, 1996
(Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz)

"Die Kirche bejaht die Organverpflanzung. Die Organspende kann eine Tat der Nächstenliebe über den Tod hinaus sein. Eine solche Einstellung kann jedoch nicht erzwungen werden. Wenn sie bei einem Menschen nicht gegeben ist, darf dies nicht im Sinne einer moralischen Herabsetzung beurteilt werden. In jedem Einzelfall muss für die Organverpflanzung eine sorgfältige Prüfung stattfinden."
 
 

Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg (1996)
Heil und Heilung gehören nach biblischen und außerbiblischen Überlieferungen zusammen (Markus-Evangelium 2, 1-12: Jesus bringt Heil, indem er Sünden vergibt und Krankheit heilt). Darum hat die Kirche in ihrer Geschichte nicht nur das Evangelium gepredigt, sondern auch die Heilkunst und das Krankenhauswesen gefördert und unterhält bis heute viele Krankenhäuser und Pflegeheime.

Entsprechend haben Kirche und Theologie die ärztlichen Bemühungen um das Wohl der Menschen immer mit besonderer Aufmerksamkeit begleitet. Dabei sind die schwierigsten Fragen diejenigen geblieben, wie wir Krankheit und unsere Sterblichkeit verstehen, und ob wir Menschen alles, was wir in bester Absicht tun können, auch tun dürfen, ohne die von Gott gegebene Würde des Menschen zu verletzen. Diese Fragen haben eine neue Brisanz erhalten, seit Abtreibung, aktive Sterbehilfe und auch die Organtransplantation in die öffentliche Debatte gekommen sind. Bei Abtreibung und aktiver Sterbehilfe geht es um menschliche Eingriffe ins Leben. Bei der Organtransplantation geht es darum, ob wir die technische Möglichkeit, Organe zu verpflanzen, als Heilverfahren akzeptieren und eventuell auch mit einer eigenen Organspende unterstützen wollen oder nicht.

Bei der Suche nach einer Antwort dürfen medizinische Fortschritte nicht für sich betrachtet werden und nicht allein die Argumente liefern. Weil nach christlichem Glauben Gott der Schöpfer ist, können und dürfen wir nicht selbstherrlich mit dem Leben umgehen. Und weil wir an die Auferstehung der Toten glauben, sind Sterben und Tod für uns nicht nur Ende, sondern zugleich Tor zu einem neuen Leben. Das bestimmt die Einstellung von Christen zur Organtransplantation mit....

Das Verteilungsproblem und die Hoffnung auf Rettung
Ein besonders schweres Problem ist mit der Frage verbunden, wer in der langen Liste der Wartenden zuerst versorgt wird, wenn ein benötigtes Organ verfügbar ist. Denn die Möglichkeiten sind sowohl von der Menge als auch von der Gewebeverträglichkeit her immer begrenzt. Es geht nicht nur darum, dass die Verteilung ohne Ansehen der Person geschehen muss. Schwerer wiegt, dass Ärzte oft gezwungen sind, mit der Entscheidung für die Lebensrettung des einen Menschen andere dem Tod auszuliefern. Denn angesichts der knappen Zahl von verfügbaren Organen muss z.B. bei der Verteilung berücksichtigt werden, wem von den wartenden Patientinnen und Patienten unter therapeutischen Gesichtspunkten am ehesten geholfen werden kann.

Kranke Menschen, die vergeblich auf ein Organ warten, erleben dies als ein über sie verhängtes Schicksal. Und viele von denen, die sich für eine Transplantation entschieden haben, bringen kaum noch die Seelenkraft auf, die ihnen verbleibende Lebenszeit mit etwas anderem als Warten zu verbringen: Sie richten alle Hoffnung auf ein Ersatzorgan. Und immer ist die Möglichkeit gegeben, dass sich die Hoffnung zerschlägt.

Besondere Probleme der Organentnahme
...Für alle Organe, die vor dem Stillstand des Blutkreislaufs entnommen werden müssen, ergibt sich eine schwierige Forderung. Denn diese Organe müssen einerseits aus lebenden menschlichen Organismen stammen, um verpflanzbar zu sein. Andererseits aber will die Transplantations-Medizin nicht in den Verdacht geraten, dass sie Menschen tötet, um benötigte Organe zu erhalten. Nur Toten sollen Organe entnommen werden. In der Medizin wird u.a. deshalb seit 1968 ein Todeskriterium benutzt, das zu dieser Forderung passt: der "Hirntod". "Hirntote" gelten danach als Tote, weil ihr Gehirn keine messbaren Funktionen mehr zeigt. Sie haben aber dennoch einen - unter intensivmedizinischen Bedingungen künstlich aufrecht erhaltenen - Blutkreislauf. Am "Hirntod"-Kriterium scheiden sich die Geister.
 
 

Stellungnahme der deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Ev. Kirche in Deutschland
Ethische Positionen zur Organspende
 


Organtransplantation - Mangel an Spenderorganen
 Auch zehn Jahre nach dem Transplantationsgesetz herrscht in Deutschland noch immer ein großer Mangel an Spenderorganen. Rund 12 000 schwer kranke Menschen warteten derzeit, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in Berlin mit. 

An jedem Tag sterben nach DSO-Angaben drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein lebensrettendes Herz, eine Lunge, eine Leber oder eine Bauchspeicheldrüse erhalten. Die Wartezeit für eine Niere betrage inzwischen im Schnitt sechs Jahre. 
 

Mangel an Spenderorganen
Nationaler Ethikrat - Zahl der Organspenden erhöhen (April 2007)

   Mehr (aktuelle) Infos:
Deutsche Stiftung für Organstransplantation
 

 



 

Probleme im Umfeld von Organspende und Organtransplantation

Das Problem der Organentnahme

"...Organe dürfen nur toten Menschen entnommen werden. Doch Herz und Nieren müssen frisch sein, wenn sie andern das Leben retten sollen. Nach internationaler Übereinkunft gilt deshalb seit 1968 der Hirntod als individueller Tod eines Menschen. Dabei sind die Gehirnfunktionen unwiderruflich ausgefallen - bei Opfern von Unfällen zumeist oder Hirntumorkranken. Als Organspender werden sie beatmet, ihre Adern mit Konservierungsflüssigkeit gefüllt, die den Körper auf vier Grad abkühlt. Die Organe werden bei schlagendem Herzen entnommen. Den Hirntod als Ende des Menschen zu bezeichnen, ist eine Konvention, und es wäre unbillig, ein Naturgesetz daraus zu machen, warnen Theologen und auch viele Mediziner. ...
 

So oder so: Die wenigsten Menschen sind bereit, sich auf solche Gedanken an die Zukunft einzulassen. Nur fünf Prozent der Deutschen tragen einen Organspendeausweis. Die Entscheidung in dieser wichtigen Frage liegt also fast ausschließlich bei den Angehörigen. Die aber sind, wie der Bonner Klinikprofessor Detlef Linke aus seiner Praxis weiß, angesichts der emotionalen Ausnahme-Situation hoffnungslos überfordert. Sie stimmen immer seltener einer Organentnahme bei ihren verstorbenen Angehörigen zu. Vor drei Jahren waren es neunzig Prozent, heute sind es nur noch sechzig Prozent.
 

Nicht nur die Angehörigen sind überfordert. Eine kanadische Untersuchung ermittelte, dass die Hälfte aller Ärzte und Schwestern Hemmungen hätte, die Familien in ihrer Trauer zu stören. Zwei Drittel der Mediziner gaben bei einer Umfrage in Amerika an, dass sie zögerten, einen Organspender zu melden, weil sie die Gespräche mit den Angehörigen fürchteten. Wie abhelfen? Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende könnte per Dekret zur Bürgerpflicht erhoben werden. Fällig, so wie es die amerikanische Ärztevereinigung vorschlägt, mit der ersten Steuererklärung oder beim Empfang des Führerscheins. Diese wichtige Entscheidung sollte nicht in der Verantwortung der Angehörigen verbleiben.
 

Der Duisburger Philosophieprofessor Hartmut Kliemt geht noch einen Schritt weiter. Er schlägt gewissermaßen einen "Klub der Organspender" vor: Es solle nur derjenige berechtigt sein, ein fremdes Organ zu empfangen, der sich selbst zu einer Organspende bereit erklärt hat - und zwar zu einem Zeitpunkt, als der eigene Bedarf noch nicht absehbar war......"
 

(Aus: Wochenpost )





 

Stellungnahmen außerkirchlicher Gruppen

Stellungnahme des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK)

"...Die Diskussion um die Organtransplantation kann, wie die Diskussion um ethische Fragen überhaupt, nur unter Berücksichtigung der Bedingungen des realen Lebens geführt werden.

Dazu gehören u.a.
- die Möglichkeiten eines weltweiten Organhandels
- die Prioritätensetzung in der medizinischen Versorgung angesichts begrenzter wirtschaftlicher Ressourcen
- die hohen Erwartungen und das gleichzeitig tiefe Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der naturwissenschaftlichtechnischen Medizin und auch die Schwierigkeit, insbesondere in der westlichen Wohlstandskultur, die Endlichkeit des Lebens zu akzeptieren....

Begründung im einzelnen

Im Grundgesetz heißt es, die Würde des Menschen ist unantastbar. Das bedeutet, dass der lebende Mensch nicht zum bloßen Mittel eines Zweckes missbraucht werden darf. D.h., dass die körperliche Unversehrtheit eines Menschen nur beeinträchtigt werden darf, wenn eine Aussicht auf Hilfe besteht und wenn der Betroffene dieser Verletzung seiner körperlichen Integrität zugestimmt hat. Dem DBfK ist bewusst, welchen grundlegenden, immensen Eingriff es bedeutet, einen Menschen für tot zu erklären.

Die durch die Harvard-Kommission 1968 beschlossene Einführung des "Hirntodkriteriums" trug dazu bei, ein Kunstwort zu schaffen. Das Kunstwort Hirntod hat als solches nichts mit dem Tod des Menschen zu tun. Hirntod bezeichnet zunächst nichts weiter, als den Tod eines Teils des Zentralnervensystems. Die Harvard Kommission hat sich zum damaligen Zeitpunkt nicht mit der ethischen Fragestellung des Hirntodes auseinandergesetzt. Die von ihr vorgebrachten Begründungen zur Einführung des "Hirntod Kriteriums" waren rein pragmatischer Art. Diese lauteten:

"Es gibt zwei Gründe, warum es einen Bedarf für eine neue Todesdefinition gibt:

1.Die Last ist groß für die betroffenen Patienten, die den permanenten Verlust ihres Intellekts erleiden, für ihre Familien, für die Krankenhäuser und solche Patienten, die eines der Intensivbetten bedürften, das durch komatösen Patienten belegt ist. 2.Veralterte Kriterien für die Definition des Todes können zu Kontroversen bei der Beschaffung von Spenderorganen führen."

Diese pragmatischen Aussagen rechtfertigen nach unserem Dafürhalten die gesetzliche Festschreibung der Hirntoddefinition derzeit in einer deutschen Gesetzgebung nicht. Vielmehr erscheint es dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe unabdingbar, die Forschung zu den Themen Tod und Leben in den nächsten Jahren noch weiter zu intensivieren. Der noch junge Zweig der Pflegewissenschaft wird zu dieser Forschungsproblematik einen wichtigen Beitrag leisten können.

Die klassische Todesdefinition sollte für die nächsten Jahre beibehalten werden. Sie bietet derzeit ausreichenden Schutz vor dem Missbrauch des toten menschlichen Körpers bei der Entnahme von Organen..."
 
 




 

Das Transplantationsgesetz / Organspendegesetz
Kontroversen um das Transplantationsgesetz 1997

1997 wurde die rechtliche Grundlage für Organtransplantationen in Deutschland geschaffen. (Transplantationsgesetz).
Die rechtliche Grundlage bildet nun die sogenannte "erweiterte Zustimmungslösung", d.h., dass Angehörige entscheiden, ob die Organe für eine Transplantation zur Verfügung stehen, wenn der Verstorbene selbst keine Erklärung (Organspendeausweis)  abgegeben hat.
Zuvor war jahrelang um diese Regelung gestritten worden.

Für ein bundeseinheitliches Transplantationsgesetz wurden vier Vorschläge diskutiert. Sie alle respektierten den zu Lebzeiten geäußerten Widerspruch gegen eine Organentnahme nach dem Tode.

Enge Zustimmungslösung: Die Organentnahme ist verboten, wenn der potentielle Spender zu Lebzeiten nicht ausdrücklich zugestimmt hat. Eine fehlende Einwilligung kann später durch niemanden stellvertretend nachgereicht werden.

Informationslösung: Die Organentnahme ist nur zulässig, wenn der potentielle Spender zu Lebzeiten zugestimmt hat. Liegt weder Zustimmung noch Widerspruch vor, werden die Angehörigen gebeten, innerhalb einer angemessenen Frist darüber zu entscheiden. Ist die Frist ohne Entscheidung der Angehörigen abgelaufen, werden Organe entnommen. Diese Lösung wird von Bundesgesundheitsminister Seehofer für ein Transplantationsgesetz favorisiert.

Erweiterte Zustimmungslösung: Die Organentnahme ist grundsätzlich unzulässig, wenn der potentielle Spender zu Lebzeiten nicht einwilligte. Die Einwilligung kann aber nach seinem Tod ersatzweise von den Angehörigen gegeben werden. Auf dieser Basis erfolgt heute die Organspende in der Bundesrepublik, in Großbritannien, Holland, Schweden und Dänemark.

Widerspruchslösung: Die Organentnahme ist grundsätzlich zulässig, wenn der potentielle Spender zu Lebzeiten nicht ausdrücklich schriftlich widersprochen hat. Angehörige brauchen nicht zu Rate gezogen werden. Dies war Grundlage eines Gesetzes im SPD-regierten Land Rheinland-Pfalz, das aber wegen scharfen Protestes auch von Seiten der Mediziner im Januar wieder zurückgezogen wurde. Sie gilt in Frankreich, Belgien und Österreich. Und sie galt einst auch in der DDR.
 
 

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