Praxis der Organtransplantation
 
Wie sieht die Praxis einer Organspende bzw. Organtransplantation aus?
Welche Organe können gespendet/transplantiert werden und wer bekommt ein Spenderorgan?

Auf dieser Seite sind einige Basisinformationen zu finden.
 

Welche Voraussetzungen müssen für eine Organspende gegeben sein?

Mangel an Organspendern - Der Bedarf an Spenderorganen

Welche Organe können transplantiert werden ?

Ablauf einer Organspende / Transplantationsaktion

Lebendspende - Voraussetzungen und rechtliche Regelungen

Hirntod - Weitere Informationen
 
 

  TIPP
Die Welt mit anderem Herzen sehen
Unterrichtsmaterialien DSO (PDF)


 
 
 
 
 


 
Welche Voraussetzungen müssen für eine Organspende gegeben sein?

Stirbt ein Mensch, während er maschinell beatmet wird, funktionieren Herz, Kreislauf, Nieren und andere Organe noch. Deshalb können die Nieren, das Herz, die Lunge, die Leber und die Bauchspeicheldrüse übertragen werden. Deshalb ist die Übertragung von Organen auch nur unter diesen eingeschränkten Voraussetzungen möglich (v.a. Unfalltote). Herz und Nieren müssen "frisch" sein, wenn sie andern das Leben retten sollen. Nach internationaler Übereinkunft gilt seit 1968 der Hirntod  als individueller Tod eines Menschen.  Die Organe werden bei schlagendem Herzen entnommen.

Die Hornhaut der Augen und die Gehörknöchelchen sind nicht an diese Voraussetzungen gebunden.
 
 


 
 

  Weitere Materialien
Organspende (BzgA)
Organverpflanzung (Planet Wissen)

Video (ZDF 2005)
Etwa 12.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Organspende. Täglich sterben drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein lebensrettendes Organ erhalten.
 



 
Mangel an Organspendern

Auch zehn Jahre nach demTransplantationsgesetz herrscht in Deutschland noch immer ein großer Mangel an Spenderorganen. Rund 12 000 schwer kranke Menschen warteten derzeit, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in Berlin mit. 

An jedem Tag sterben nach DSO-Angaben drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein lebensrettendes Herz, eine Lunge, eine Leber oder eine Bauchspeicheldrüse erhalten. Die Wartezeit für eine Niere betrage inzwischen im Schnitt sechs Jahre. Am 2. Juni ist der Tag der Organspende. 

Rund 4000 Organe wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verpflanzt - so viele wie nie zuvor. Zur Zeit spenden nach DSO- Angaben in Deutschland 15 Menschen pro einer Million Einwohner Organe. Die Bereitschaft hat damit im Vergleich zu 1997 um ein Viertel zugenommen. Aus Sicht der Ärzte und ihrer Patienten liegt sie aber noch nicht hoch genug. «Wir haben die Krankenhausplätze, das Personal und das Know-how. Das einzige, was uns fehlt, sind die Organe», sagte Günter Kirste, DSO-Vorstandsmitglied. 

Um die Situation zu verbessern, schlägt die Stiftung vor, in jedem Krankenhaus einen Transplantations-Beauftragten zu ernennen und das Thema stärker in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung zu verankern. Die Stiftung will auch die Öffentlichkeit erreichen. «Ein Großteil der Bevölkerung weiß die Erfolge der Transplantationsmedizin zu schätzen und würde dieses Geschenk im Falle einer Erkrankung auch selbst gern annehmen», sagte DSO-Vorstand Thomas Beck. Es seien aber immer noch zu wenige Menschen bereit, sich aktiv mit dem Thema auseinander zu setzen und einen Organspendeausweis auszufüllen. 

Auch der Ärzteverband Marburger Bund fordert eine bessere Aufklärung der Bevölkerung über die Notwendigkeit von Organspenden. «Die erhebliche Differenz zwischen hoher Spendebereitschaft und geringer Anzahl an Organspendeausweisen muss mit einer politischen Aufklärungskampagne überwunden werden», sagte der Vorsitzende des Verbands, Frank Ulrich Montgomery. 

Das Transplantionsgesetz regelt seit 1997 die Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen. Voraussetzung ist eine Zustimmung zur Organspende zu Lebzeiten. Ist sie nicht dokumentiert oder bekannt, entscheiden die nächsten Angehörigen. Der Handel mit Organen ist in Deutschland verboten. In Deutschland wurden in den vergangenen 44 Jahren rund 84 000 Organe verpflanzt - darunter 57 000 Nieren, über 13 000 Lebern und mehr als 9000 Herzen. 
 
 

Nationaler Ethikrat - Zahl der Organspenden erhöhen (April 2007)
Deutsche Stiftung für Organstransplantation (Aktuelle Informationen)

 
Organtransplantationen in Deutschland 




 
 
 

Welche Organe können transplantiert werden ?

Fortschritte in der Medizin ermöglichen es, sehr unterschiedliche Organe und Gewebe nach dem Tod eines Menschen auf einen anderen zu übertragen. So können Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut (Organe) sowie Hornhaut der Augen, Gehörknöchelchen, Herzklappen und Teile der Blutgefäße, der Hirnhaut, des Knochengewebes,
des Knorpelgewebes und der Sehnen (Gewebe) transplantiert werden.
 
 
 
 

Weitere Informationen

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Die Welt mit anderem Herzen sehen (Unterrichtsmaterialien DSO)
 
 
 

 



 

Ablauf einer Organspende/Organtransplantation


 

 
Auf der Intensivstation
Die Behandlung schwerer Hirnschäden gehört zum Alltag in den Krankenhäusern. Doch nicht immer sind die intensiven Bemühungen der Ärzte, das Leben dieser Patienten zu retten, erfolgreich. Trotz aller Anstrengungen Leben zu retten, tritt der Tod ein. 
 
Feststellung des Todes
Beim Hirntoten ist die Gehirnfunktion vollständig und irreversibel erloschen. Der Hirntod ist ein sicheres Todeszeichen, auch wenn Kreislauf und Atmung des Verstorbenen noch künstlich aufrecht erhalten werden. Der Hirntod muss durch zwei erfahrene Ärzte festgestellt und dokumentiert werden, die unabhängig vom Transplantationsteam sind. 
 
Einwilligung der Angehörigen
Liegt keine eigene positive Erklärung zur Organspende vor, werden die nächsten Angehörigen darum gebeten, stellvertretend für den Verstorbenen zu entscheiden. Wird eine schriftliche Einwilligung des Verstorbenen gefunden, werden die Angehörigen darüber informiert. 
 
Organisation der Organspende
Die Organisationszentrale der Deutschen Stiftung Organtransplantation im nächstgelegenen Transplantationszentrum wird von der Intensivstation informiert. Sie ist Ansprechpartner in allen Fragen der Organspende, veranlasst medizinische Tests vor einer Organentnahme, informiert Eurotransplant und organisiert die Organentnahme. 
 
Explantation der Organe
Die Organentnahme erfolgt durch ein erfahrenes Ärzteteam. Bis zur Verpflanzung werden die Organe konserviert. Nach der Explantation wird der Leichnam versorgt.
 
Typisierung der Gewebe
Dem Toten werden Blut- und Gewebeproben entnommen, um gewebetypische Merkmale festzustellen, die für die Übereinstimmung von Spender und Empfänger von Bedeutung sind. Dies spielt vor allem für die Nierentransplantation eine Rolle. Die Ergebnisse werden umgehend an Eurotransplant weitergegeben. 
 
Organvermittlung
Eurotransplant ist zuständig für die Organvermittlung. Es führt die Organempfänger in Deutschland, Österreich und den Benelux-Staaten auf einer gemeinsamen Warteliste. Bei Eurotransplant ermittelt der Computer nach festgelegten Kriterien die Empfänger.
 
Transplantation
Die Empfänger werden umgehend benachrichtigt und für vorbereitende Untersuchungen in die Klinik gebeten. Falls keine medizinischen Vorbehalte bestehen, werden die Spenderorgane transplantiert. Nach einem geglückten Eingriff nehmen die Organe ihre Tätigkeit auf. 



 
 

Lebendspender muss vor Kommission
Neue Regelung tritt Anfang Dezember in Kraft / Organhandel soll vorgebeugt werden

Wer zu Lebzeiten einem Todkranken ein Organ spenden will, muss künftig zunächst vor einer Kommission beweisen, dass er dies freiwillig und ohne finanzielle Anreize tut. Das verlangt eine neue Regelung des Transplantationsgesetzes, die Anfang Dezember in Kraft tritt.

So sollen Organhandel und psychischer Druck auf den potentiellen Lebendspender verhindert werden. Da der Anteil solcher Organspenden seit 1997 auf 15, in einigen Kliniken sogar auf 50 Prozent aller Transplantationen gestiegen ist, erhofft man sich von der Regelung mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

Der Kommission sollen je ein Arzt, ein Jurist und eine in psychologischen Fragen erfahrene Person angehören. Die Details ihres Vorgehens regeln die Sozialministerien der einzelnen Bundesländer. Dort begrüßt man die Neuregelung als wirksames Mittel, um einem Organhandel zumindest innerhalb der deutschen Grenzen vorzubeugen.
"Es ist vielleicht zunächst einmal ungewohnt, sich als Organspender einer solchen Kommission zu stellen. Aber wir wollen damit nicht dem Bürger zu nahe treten, sondern das Vertrauen der Bevölkerung in das Transplantationswesen fördern, indem wir Druck auf den Spender und Organhandel unterbinden", sagt Ulrich Neth vom Sozialministerium in Baden-Württemberg. Er räumt aber ein, dass ein etwaiger Organhandel außerhalb Deutschlands mit dieser Regelung nicht verhindert werden können.
Kritiker halten die Kommission allerdings für überflüssig und vielleicht sogar gefährlich - nämlich dann, wenn wegen der Anhörung eine Zeitverzögerung bei der medizinischen Behandlung des Organempfängers entstünde.

Jürgen Reitinger, Vorsitzender der Planungsgruppe Organtransplantation in Baden-Württemberg, erläutert seine Bedenken: "Durch die Regelung wird unnötig Aufwand betrieben und Zeit verbraucht, die im Notfall sogar das Leben des Patienten, der auf ein Organ wartet, bedroht." Die persönliche Anhörung sei überhaupt nicht erforderlich, da die Freiwilligkeit des Spenders schon in den jeweiligen Transplantationszentren ausreichend abgeklärt werde.

Als Lebendspender kommen nach deutschem Recht sowieso nur dem Patienten nahestehende Personen wie Verwandte oder Lebenspartner in Frage. Auch kann längst nicht jedes Organ auf diese Weise verpflanzt werden. Hauptsächlich Nieren und in seltenen Fällen auch Teile von Lunge, Leber oder Bauchspeicheldrüse werden per Lebendspende übertragen. Reitinger hält das bisherige Vorgehen, bei dem alle nötigen Gespräche innerhalb der betreffenden Krankenhäuser während der Vorbereitung auf die Organtransplantation geführt werden, für völlig ausreichend. "Eine Alternative wäre, nur noch bei berechtigten Zweifeln im Transplantationszentrum den betreffenden Spender der Kommission vorzuführen", schlägt er vor. Im übrigen seien die meisten "Horrormeldungen" über angeblichen Organhandel völlig übertrieben und derartige Fälle in Deutschland schon lange nicht mehr vorgekommen...

"Wiesbadener Kurier" 16.11. 99

 
 
 

Weitere Informationen zur Lebendspende
Organverpflanzung (Planet Wissen)

 

 
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