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Zukunft der Organtransplantation
 
Welche ethischen Probleme ergeben sich, wenn in Zukunft neue Wege und Möglichkeiten der Medizin eröffnet werden? Werden wir künftig unsere Organe mit genetisch "körpereigenem" Gewebe aus Stammzellen ("therapeutisches Klonen") reparieren können?
Können in Zukunft Tierorgane auf den Menschen übertragen werden (Xenotransplantation)? 
 

Therapeutisches Klonen
Ein Schaubild und ein Video (realvideo)

Therapeutisches Klonen im Blickwinkel der Ethik
Eine Unterrichtsreihe bei "Lehrer-online" (Religion - Ethik)

Was ist therapeutisches Klonen ?
Eine Unterrichtsreihe bei "Lehrer-online" (Biologie)

Stammzellenforschung
Materialien zu einer ethischen Kontroverse (WDR)

Die Verheißungen des therapeutischen Klonens
W. Huber zum therapeutischen Klonen (2001)

Klonen ist nicht zu verantworten
W. Huber (EKD-Ratsvorsitzender) zum therapeutischen Klonen (Febr. 2004)

Wann beginnt das Leben ?
Diskussionsveranstaltung mit Medizinern und Theologen

Xenotransplantation
  Eine Stellungnahme der EKD

Menschliche Klone als Ersatzteillager
Ein Bericht aus der "Frankfurter Rundschau" (1997)




 


 
 

Video "Therapeutisches Klonen"
("Quarks und Co.")




 
 

"Eines  Tages ist es Realität"

Zum Klonen des Menschen

Von Michael Emmrich (Frankfurt a. M.)

Das Klonen von Menschen "wird ganz sicher kommen", glaubt Werner Gehring, Vorstand des Direktoriums der Deutschen Klinik für Fortpflanzungsmedizin in Bad Münder. Er fordert deshalb schon heute, das Klonen "anzunehmen" und offen" darüber zu diskutieren. Um Krankheiten behandeln zu können, seien menschliche Klone als "Ersatzteillager" sogar wünschenswert.
Die aktuelle Debatte zum ungeschlechtlichen Kopieren von Menschen empfindet Gehring einerseits als "ehrlich", weil die geäußerten Sorgen echt seien, andererseits aber auch als "naiv", weil die meisten Redner vom "Sachverhalt, der Technik und den therapeutischen Möglichkeiten zu wenig wissen". Zwar erschreckten die Menschen im ersten Moment bei dem Gedanken an das Klonen. Aber alle technischen Erneuerungen erschütterten die Menschen, weil das ethische Bewußtsein noch nicht so weit sei. Wenn sich die therapeutischen Möglichkeüen des Klonens eindeutig darstellen", werde jedoch eine Besinnungsphase eintreten. Und es sei "nicht nur wahrscheinlich, sondern sicher, dass in einer anderen Zeit darüber auch anders befunden wird. Der geklonte Mensch wird ganz sicher eines Tages Realität sein. Davon bin ich überzeugt "...

"Die tatsächlichen Vorteile des Klonens liegen auf der Hand", sagt der Mediziner. Denn bei der Transplantation von Organen seien zwar Verbesserungen erzielt worden, aber die  Abstoßung des verpflanzten Gewebes bleibe ein Problem Dieses stelle sich bei einem Klon jedoch nicht, weil dieser mit seinem Spender genetisch Gewebe-identisch sei. So könnten Klone etwa Gewebe als Leberersatz liefern, Zellen könnten kultiviert und auch ganze Organe gezüchtet werden: Denkbai sei auch, für strahlen- und chemotherapiebehandelte Krebspatienten Blutstammzellen von Klonen zu gewinnen, die beim Kranken durch die aggressive Therapie zerstört werden. Denn Spender gebe es derzeit viel zu wenige.
Bisher, schränkt Gehring ein, sei für das Heranwachsen eines Klons noch eine Leihmutter notwendig. Der "Idealzustand" wäre aber eine "artifizielle" Umgebung: Ethisch erachtet Gehring dies als vertretbar. Schließlich würden in Deutschland, vom Gesetz sanktioniert, jährlich rund 200000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Klone als "individuelle Ersatzteillager", denkt Werner Gehring, eigneten sich vor allem für chronisch Kranke, vielleicht auch für akute Leiden, "aber da läuft die Uhr". Da Föten schon um die 24. Schwangerschaftswoche lebensfähig seien, sagt Gehring, müsste den Klonen das benötigte Gewebe deshalb deutlich früher entnommen werden.
Gehring fordert auch, die Menschen über das Klonen aufzuklären. Denn mit dieser Technik entstünden keine zwei identische Menschen. Auch eineiige Zwillinge mit den selben genetischen Anlagen, natürliche Klone also, entwickelten sich zu verschiedenen Menschen. Das Menschsein werde durch "einen hohen Grad an Individualität" bestimmt, unterstreicht Gehring: Neben seinen Genen prägten und beeinflussten eine ganze Reihe von anderen Faktoren den Menschen und machten ihn einmalig. Deshalb werde die Würde eines existierenden Menschen durch die Erzeugung eines Klons aus seiner Körperzelle auch nicht verletzt.
 

Frankfurter Rundschau, 17.3. 97

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