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Therapeutisches Konen
 

Klonen ist nicht zu verantworten
Ratsvorsitzender Huber zur Gleichzeitigkeit zweier Ereignisse

Wirklicher Fortschritt zeige sich nicht darin, dass der Mensch alles mache, was er machen könne. Dies erklärt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, nach der Nachricht, dass es südkoreanischen Wissenschaftlern gelungen sei, menschliche Embryonen zu klonen. „Wirklicher Fortschritt zeigt sich darin, dass der Mensch die Handlungsweisen auswählt, die er verantworten kann. Das Klonen gehört nicht zu diesen Handlungsweisen,“ so der Bischof von Berlin.

Es sei ein eigentümliches Zusammentreffen, dass gerade an dem Tag, an dem der 200. Todestag von Immanuel Kant begangen werde, zugleich mitgeteilt wurde, das erstmalig menschliche Embryonen geklont wurden. Gefeiert werde der Philosoph, der wie kein anderer davor gewarnt habe, dass der Mensch zur Ware gemacht und so seiner Würde beraubt werde. Gefeiert werden zugleich Wissenschaftler die „menschliches Leben nach der Methode Dolly“ hergestellt hätten.

Dass solches Klonen nur zu therapeutischen Zwecken unternommen werde, sei eine Schutzbehauptung, erläutert Huber. Jetzt habe man das Erbgut gesunder Menschen zum Klonen verwendet, beim therapeutischen Klonen müsse man das Erbgut kranker Menschen verwenden und dieses geklonte Gewebe wieder in kranke Menschen implantieren. Ob dies am Ende nicht neue Krankheiten hervorrufe, wisse keiner. Und Befürworter des therapeutischen Klonens müssten anerkennen, dass therapeutisches Klonen und reproduktives Klonen das gleich Zwischenprodukt habe. Das Zutrauen, dass die Befürworter des Klonens sich von der Gefahr möglicher Missbildung abschrecken ließen, habe er nicht, sagte Huber.

Hannover, 13. Februar 2004
Pressestelle der EKD

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Die Erklärung von Bischof Wolfgang Huber im Wortlaut:

Es ist ein eigentümliches Zusammentreffen: An dem Tag, an dem Kants zweihundertster Todestag begangen wurde, wurde zugleich mitgeteilt, dass südkoreanische Wissenschaftler menschliche Embryonen geklont haben. An demselben Tag, an dem der Philosoph gefeiert wird, der wie kein anderer davor warnte, den Menschen zur Ware zu machen und damit seiner Würde zu berauben, werden Wissenschaftler dafür gefeiert, dass sie menschliches Leben nach der Methode Dolly hergestellt haben.

Die Menschenwürde erfordert, so sagt Kant, dass wir den Menschen niemals bloß als Mittel, sondern stets als Zweck an sich ansehen. Von Anfang an, so hat das deutsche Bundesverfassungsgericht darauf gefolgert, ist er ein "Dasein um seiner selbst willen". Von wann an gilt das? So wird immer wieder gefragt. Meine Antwort heißt: Es gilt, so bald ein menschliches Lebewesen in den Horizont unserer Verantwortung tritt. Wenn ein Menschenkind im Mutterleib heranwächst, gilt es von dem Augenblick an, in dem sie sich dessen bewusst wird. Wenn wir menschliches Leben reproduktionstechnisch herstellen, gilt dies vom künstlich eingeleiteten Vorgang der Befruchtung an. Wenn wir Menschen klonen, gilt es vom Vorgang des Klonens an.

Nur zu therapeutischen Zwecken unternehme man solche Experimente, so wird versichert. Doch das ist, mit Verlaub gesagt, eine Schutzbehauptung. Jetzt hat man das Erbgut gesunder Menschen zum Klonen verwendet; beim therapeutischen Klonen dagegen muss man das Erbgut kranker Menschen verwenden. Und dann müsste das geklonte Gewebe wieder in diese kranken Menschen implantiert werden, in der Hoffnung, dass dies Heilung bewirkt. Ob die Zellen, die man auf diese Weise verwendet, nicht am Ende neue Krankheiten hervorrufen, kann niemand wissen.

Auch Befürworter des therapeutischen Klonens müssen einräumen, was der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Genforscher Ernst-Ludwig Winnacker, ausdrücklich festgestellt hat: Therapeutisches Klonen und reproduktives Klonen haben dasselbe Zwischenprodukt. Die koreanischen Forscher haben also gezeigt, wie man Menschen klonen kann. Diejenigen, die das schon lange wollen, sind bekannt: die Raelianer in Kanada beispielsweise oder Professor Antinori in Italien. Das Zutrauen, dass sie sich von der Gefahr möglicher Missbildungen abschrecken lassen, habe ich nicht.

Wirklicher Fortschritt zeigt sich nicht darin, dass der Mensch alles macht, was er machen kann. Wirklicher Fortschritt zeigt sich darin, dass er die Handlungsweisen auswählt, die er verantworten kann. Das Klonen gehört nicht zu diesen Handlungsweisen. In einer Woche, die der Erinnerung an Immanuel Kant gewidmet ist, muss man dies mit aller Deutlichkeit sagen.

Einen nachdenklichen Samstag wünsche ich Ihnen - und einen gesegneten Sonntag dazu. Bleiben Sie behütet!
 


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