Werbung für Organspenden ?
 
Soll man, darf man, muss man für Organspende werben? Ist der Bedarf an Spenderorganen eine Aufforderung zur Werbung für eine erhöhte Organspendebereitschaft?
Sportler, Prominente, Politker und Mediziner werben für eine höhere Spendenbereitschaft. 

Um die Frage, wie weit die Werbung für Organspenden gehen darf, wird spätestens seit der umstrittenen niederländischen "Spendenshow" (Juni 2007) gestritten.
 

Deutsche Stiftung Organtransplantation

Sportler für Organspende

Video - Mangel an Organspenden (WDR)

Ich hab mein Herz verschenkt - Materialien für Schülerinnen und Schüler (DSO)

Vorschläge von SchülerInnen (Plakate)

Umstrittene Werbung: Die Organspendeshow in den Niederlanden (Juni 2007)

"Die Breitschaft muss belohnt werden" (Chrismon 2008)

Werbevideos  bei Youtube
 
 




 

Vorschläge zur Werbung für Organspende (Poster)
( Schülerarbeiten: Chantal Rasch, Manuela Bierbrauer, Tina Lickfers)








(Wettbeweb DSO)


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Organspende-Show

Bluff mit ernstem Hintergrund
Die im Vorfeld heftig kritisierte TV-Show um eine Nierenspende im niederländischen Fernsehen entpuppte sich als geschickte Inszenierung


Paukenschlag am Ende der "Big Donor Show": Die vermeindlich totkranke Lisa (links) ist Schauspielerin, verrät der Moderator Patrick Lodiers (ganz rechts im Bild). Die drei Kandidaten waren eingeweiht. Sie sind tatsächlich nierenkrank und warten auf eine Spenderniere 

Kurz vor Ende der Sendung offenbarte Show-Master Patrick Lodiers die Wahrheit: Spenderin «Lisa» ist demnach nicht todkrank, sondern hat dies nur gespielt. Die drei Kandidaten sind allerdings wirklich Patienten, die auf eine Spenderniere warten. Sie seien über den Bluff informiert gewesen, mit dem man auf die prekäre Organspende-Situation in den Niederlanden habe hinweisen wollen. Bei Ärzten und Organspende-Organisationen stieß das Show-Konzept des Senders BNN allerdings weiter auf heftige Ablehnung. 

«Wir wollten ein Zeichen setzen. Das ist geglückt», sagte BNN- Chef Laurens Drillich nach der Show. «In den vergangenen sieben Tagen ist mehr über Organspende gesprochen worden als in den sieben Jahren davor.» Während der Show am Abend des 1. Juni hätten etwa 12 000 Menschen eine SMS an eine Sondernummer geschickt, um sich als Spender anzumelden. Mehr als 1,2 Millionen Menschen sahen nach Angaben des Senders die «Große Spender-Show». Das soll die zweitbeste Einschaltquote für eine BNN-Produktion überhaupt gewesen sein...

Die drei Kandidaten - die 36-jährige Esther-Claire, der 19 Jahre alte Vincent und die 29-jährige Charlotte - gaben sich nach der «Enttarnung» erleichtert. Ihre in Filmen dargestellten Geschichten, in denen sie ihre Einschränkungen im Leben beschrieben, ihre Wünsche und Hoffnungen, seien echt gewesen, erklärten sie. Charlotte erklärte, sie hoffe, dass die Sendung der guten Sache diene. Bereits Ende April habe sie erfahren, dass die vermeintliche Spenderin nur eine Schauspielerin ist. «Aber ich bin dabei geblieben, weil ich hoffe, dass die Politik etwas damit anfangen wird und alles nicht bloß große Aufregung verursacht hat.» 

GesundheitPro 4.6. 2007
 


Meinungen zur Sendung

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erklärte, die Sendung sei nicht der richtige Weg gewesen, um auf das Problem fehlender Organspenden hinzuweisen. «Wenn die Medien so viel Energie und Fantasie in die seriöse Aufklärung und das Werben um Organspenden zur besten Sendezeit stecken würden, hätte man den selben positiven Effekt.» 

«Das Anliegen ist durchaus wichtig, aber mit solchen PR-Schachzügen ins Fernsehen zu kommen, kann nicht im Sinne der Medienberichterstattung sein», kritisierte auch der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Michael Konken. «Solche sensiblen Themen, die mit Krankheit, Gefühlen und Tod spielen, haben auf dem Medienmarkt nichts zu suchen.» 
 

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) betonte, die Debatte um Organspenden komme nur dadurch zu Stande, dass es zu wenige Organspender gebe. Deshalb müsse dafür geworben werden, «dass sich einfach mehr Menschen zum Organspenden bereit erklären». In den Niederlanden warten 1400 Patienten auf eine Spenderniere. 
 
 

Der Fernsehsender hatte die Sendung mit dem Argument verteidigt, der Mangel an Spenderorganen müsse als Problem thematisiert werden: "Das ist nicht grausig, das ist das wirkliche Leben. Jedes Jahr sterben hunderte Menschen, weil es nicht genug Spender gibt." Die Chance der drei Kandidaten, eine Niere zu erhalten, sei mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel deutlich höher als für Patienten auf Wartelisten. BNN-Gründer Bart de Graaff war vor fünf Jahren gestorben, nachdem er jahrelang vergeblich auf eine Spenderniere gewartet hatte. 

Der niederländische Gesundheitsminister Ab Klink hielt BNN vor, die Öffentlichkeit mit der Kampagne vor der Show in die Irre geführt zu haben. Positiv sei aber, dass jetzt über Organspenden öffentlich diskutiert werde. 

Ablehnend äußerte sich nach der Show die Deutsche Stiftung Organtransplantation. "Wir halten es für unethisch und unmoralisch, mit dem Schicksal und dem Leid von Patienten zu spielen auch wenn es sich letztendlich um eine inszenierte Show gehandelt hat." 

Lob gab es vom niederländischen Minister für Erziehung, Kultur und Wissenschaft, Ronald Plasterk. Medienberichten zufolge nannte er die vom Unternehmen Endemol ("Big Brother") produzierte Show "sehr intelligent". Es sei "fantastische Arbeit", das Thema Organspende auf die Tagesordnung zu setzen. 
 

Der Verband der niederländischen Nierenpatienten erklärte: "Wir sind alle auf den Arm genommen worden. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass das Problem nun ein Gesicht hat."

Die Nierenkranke Caroline Klingers, die die Show in einem medizinischen Zentrum in Bussum verfolgte, lobte die "Grote Donor Show". "Ich denke, das war brillant, wirklich", sagte Klingers. "Es ist gut für die öffentliche Wirkung und es gibt keine Verlierer." 
 


 
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