Erfahrungsberichte - Fallbeispiele
 
Erst wenn hinter allgemeinen Überlegungen wirkliche Menschen hervortreten, wird die ethische Bedeutung der Organspende- und Transplantationspraxis greifbar. Wie würde man selbst entscheiden, wenn man um die Zustimmung zur Organtransplantations gebeten wird? Was bedeutet die Organspende für die Empfänger?
Auf dieser Seite findet man auch Adressen, um direkt mit Organempfängern Kontakt aufzunehmen.
 
 
Bericht einer Mutter 
Situation einer Zustimmungsentscheidung
Eine lungentransplantierte Frau
Ein Paar mit Spenderorganen
Danke, dass ich noch leben darf
Zur psychosozialen Situation von Organempfängern

Video (ARD-Ratgeber Recht)

Weitere Berichte im Internet


 
 
 
Brief einer Mutter an den Arbeitskreis Organspende

Unsere 25jährige Tochter verstarb am 9. Mai d.J. an einer Gehirnblutung. Der behandelnde Arzt sprach uns danach auf die Organspende an. Im ersten Moment lehnten wir ab. Nach einer kurzen Bedenkzeit entschlossen wir uns jedoch dazu, da wir beide das Gefühl hatten anderen jungen Menschen, die noch eine Lebenschance haben, helfen zu müssen.

Es war für meinen Mann und mich eine sehr schwere Entscheidung und täglich quälen uns Zweifel, ob wir unserem Kind nicht etwas „angetan“ haben. Dazwischen kommen dann die Gedanken noch etwas Gutes getan zu haben. Wir beide wissen, daß es im Sinne unserer Tochter war und trotzdem erfordert es von Eltern eine Menge Kraft, hier zuzustimmen.
 

Am Tag unserer Abreise sprachen wir nochmals mit dem Arzt, der uns sagte, dass in der gleichen Nacht die Organe (Herz, Leber und Nieren) sehr erfolgreich übertragen wurden. Sie werden es nicht glauben, in all unserem Schmerz empfanden wir Freude, dass einige Menschen, die genauso gern lebten wie unsere Tochter, noch eine Chance haben und sei es nur für einige Jahre.

Vielleicht interessiert Sie unser Empfinden, die Situation, in diesem Falle von Eltern. Wir sind noch nicht darüber hinweg, es war eine sehr schwerwiegende Entscheidung, aber bestimmt eine gute.“
 
 
 

( Arbeitskreis Organspende)
 
 



 

Situation einer Zustimmungsentscheidung
 
Früh an einem Samstag Morgen im vergangenen Herbst verließ Günter Graeff das Haus. Am Nachmittag wollte der Vater zweier Kinder heiraten. Als er die vierspurige Bundesstraße 1 in Dortmund überqueren wollte, erfaßte ihn ein LKW. Obwohl Graeff schnell in ein Krankenhaus eingeliefert wurde und sofort ärztlich versorgt wurde, gab es keine Rettung mehr. Seine Mutter Ilsegret Graeff-Bracht erinnert sich: "Ich hatte die Mitteilung bekommen, mein Sohn hätte einen Unfall gehabt. Ich bin sofort ins Krankenhaus gefahren. Sein Körper war vollkommen in Ordnung, nur am Kopf war er sehr stark verletzt.

Es war eigentlich klar, dass es keine Rettung mehr geben konnte. Ich glaube dass er sofort nach dem Unfall tot war. Aber die Ärzte haben noch Tage gebraucht, bis sie endgültig bestätigt hatten, dass der Hirntod eingetreten ist."

Als der Hirntod offiziell festgestellt war, gab die Familie den Ärzten die Erlaubnis, den Körper von Günter Graeff zur Organspende zu verwenden.

Frau Graeff-Bracht begründet das so: "Mir ist es zuerst schwergefallen, die Zustimmung dazu zu geben, daß die Organe entnommen werden. Aber es ist doch gut, dass der Körper nicht auf dem Friedhof liegt und verfault. Denn es könnten ja Menschenleben mit den Organen gerettet werden. So hat das alles noch ein bisschen Sinn für mich. Eigentlich ist ein Unfalltod bei einem jungen Menschen ja ganz und gar sinnlos."

    (Aus ARD-Ratgeber Recht)



 
 
 


 
 
Eine lungentranplantierte Frau berichtet

Ich bin Christa, 26 Jahre alt, Medizinstudentin, verheiratet – und seit zwei Jahren lungentransplantiert. Schon mit 11 wurde bei mir eine PPH (primäre pulmonale Hypertonie = Bluthochdruck im Lungenkreislauf) diagnostiziert, aber ich habe ein ziemlich normales Leben geführt bis zum 1. medizinischen Staatsexamen im April 95. Da ging es mir plötzlich viel schlechter. „Na ja“, dachte ich, „das ist bloß der Prüfungsstress.“

Eine Kontrolluntersuchung zeigte allerdings, daß der Blutdruck im Lungenkreislauf stark gestiegen war – und meine Lebenserwartung stark gesunken. Ich war viel im Krankenhaus, meine Familie und Studienkollegen besuchten mich. Ausgerechnet dann habe ich mich verliebt, in Klaus aus meinem Semester. Jetzt wollte ich so gerne leben. Während eines erneuten Krankenhausaufenthaltes im Herbst 95 riet man mir zur Lungentransplantation. Ich habe Glück gehabt, ich musste nur 11 Monate warten. Trotzdem kam mir die Zeit so lang vor, denn ich brauchte Sauerstoff und saß im Rollstuhl und hatte oft starke Schmerzen.

Meine Doppellungentransplantation war am 14. Oktober 1996 in Hannover. Nach drei Abstoßungen und einem Pilzinfekt ging es mir wieder gut und ich setzte mein Studium fort. Genau ein Jahr nach der Transplantation konnten wir gemeinsam in die USA fliegen. Das hatte ich mir so sehr gewünscht. Es war klasse. Jetzt mache ich mein praktisches Jahr. Es bereitet mir viel Freude, obwohl es mir körperlich schwer fällt. Ich lebe und bin vielen Menschen sehr dankbar. Vor allem dem Spender, seinen Angehörigen und vielen Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern. Auch meinen Freunden und Studienkollegen danke ich dafür, dass sie mir Mut gemacht haben: besonders aber meiner Familie – und Klaus.

 


Ein Paar mit Spenderorganen

Kaum hatte Jürgen Wolff ein neues Herz, da war es auch schon wieder weg: „Ich habe es verloren“, gesteht der 41jährige mit einem Lächeln auf den Lippen – „ an Ulrike ...“ 

Jürgen Wolff ist organtransplantiert. Vor fast genau zwei Jahren wurde ihm in der Universitätsklinik Münster ein Spenderherz eingepflanzt. Der Eingriff bedeutet für ihn einen „ungeheuer hohen Gewinn an Lebensqualität“. Ohne die Operation wäre er heute tot. 

In Münster lernte er seine Lebensgefährtin Ulrike Poggenborg kennen, die ebenfalls organtransplantiert ist. Seit gut fünf Jahren lebt sie mit einer Spenderniere. „Im Traum“ hätten die beiden nicht gedacht, was sie heute alles machen können: „Wir leben viel bewusster und intensiver, freuen uns über jede Kleinigkeit – zum Beispiel, morgens aufzuwachen.“ Ulrike Poggenborg reitet wieder, beide fahren Motorrad. 
„Ein Drittel der Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, sterben noch vor der Transplantation“, sagt Wolff. „Die Warteliste ist das, was uns am meisten Kopfschmerzen macht – Organe findet man nicht im Medikamentenschrank“, erklärt das Paar. 

 



 

Danke, dass ich noch leben darf !
 
Danke, dass ich noch sehen kann
Danke, dass ich noch hören kann
Danke, dass ich noch sprechen kann
Danke, dass ich noch schmecken kann
Danke, dass ich noch gehen kann
Danke, dass ich noch fühlen kann
 

Danke, dass ich noch leben darf !

Ich mag junge Menschen, die mitten im Leben stehn und sich in unserer Gesellschaft wohl fühlen,
engagieren und für die Gemeinschaft arbeiten.

So ein Mensch war mein Organspender, da bin ich mir sicher.
Er wurde von seinen Eltern so erzogen, dass er
verantwortungsvoll und hilfsbereit war.

Deshalb war auch er oder seine Angehörigen bereit, nach dem Tod die Organe zu spenden.
Ich weiß nicht warum er gestorben ist, vielleicht war es eine schlimme Krankheit oder ein Unfall.

Ich denke oft an diesen Menschen. Besonders dann, wenn es mir mal wieder besonders gut geht,
wenn ich etwas schönes erleben durfte, oder wenn ich am Grab meiner jung verstorbenen Mutter stehe.
Dann halt ich kurz inne, und ein wärmendes Gefühl der Dankbarkeit durchströmt meinen ganzen Körper.

(Reiner)

 


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