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Religion:
Private Glaubensüberzeugungen vor institutionalisierter Religiosität
"Im Bereich religiöser Vorstellungen und Praxen gibt es drei auffallende Entwicklungen:
Zum einen ist ein Rückgang von Glaubensvorstellungen ebenso festzustellen wie eine abnehmende praktische Ausübung bestimmter religiöser oder kirchlicher Rituale und Praktiken.Zum anderen hat sich eine neue Differenz in Bezug auf Religiosität zwischen ausländischen und deutschen Jugendlichen hergestellt. Während sich die alten Konfessionsgrenzen abgeschliffen haben und die Unterschiede zwischen getauften und konfessionslosen Deutschen durch die „Entkirchlichung“ immer kleiner werden, gibt es umso größere Verschiedenheiten zu den ausländischen, besonders zu den türkischen Jugendlichen. Dass im letzten Fall noch eine nicht christliche Religionins Spiel kommt, begründet diese Unterschiede nicht, differenziert sie nur weiter aus.
So kann man drittens festhalten: Im Falle von evangelischer und katholischer Konfession sind bei den Jugendlichen keine Merkmalsunterschiede oder spezifische Profile mehr spürbar. Ein religiöses Milieu, das bestimmte Unterschiede konstituiert, ist hier nicht mehr feststellbar. Wohl aber gibt es unter den Türken eine (nicht kleine) Gruppe, bei der man von einem religiösen Milieu sprechen kann. Okkulte und spirituelle Praxen unter den Jugendlichen konnten wir nur in minimalem Ausmaß registrieren. Doch private Glaubensüberzeugungen (von einem waltenden Schicksal oder einer höheren Macht) spielen eine weitaus größere Rolle als dogmatische Glaubenssätze und kirchliche Lehren.
Durch den Prozeß der deutschen Einigung hat sich die soziale Zusammensetzung derjenigen geändert, die keiner Konfession oder Religion angehören. Es sind nicht mehr nur die Intellektuellen und Gebildeten (wie in der westdeutschen Tradition), sondern diejenigen mit geringeren Schulabschlüssen und schlechteren Positionen (in Ostdeutschland).
Insgesamt haben wir eine Entwicklung hinter uns, die den (christlichen) Kirchen wenig Chancen belässt, unter den derzeitigen Bedingungen und in den bisherigen Formen Einfluss auf die junge Generation zu gewinnen."